9 % wurden mit Deepfakes getäuscht. Im Handwerksbetrieb reicht oft eine gefälschte Chef-Stimme
AWA Consulting
November 5, 2026
9 % wurden mit Deepfakes getäuscht. Im Handwerksbetrieb reicht oft eine gefälschte Chef-Stimme#
Am 26. Oktober 2026 hat Bitkom vor der it-sa Zahlen zur Cyberkriminalität veröffentlicht. Besonders auffällig: Der Anteil der Internetnutzerinnen und Internetnutzer in Deutschland, die in den vergangenen zwölf Monaten mit einer KI-erstellten oder veränderten Foto-, Video- oder Sprachaufnahme getäuscht wurden, ist von 3 auf 9 Prozent gestiegen. Die Zahlen stammen aus einer Verbraucherbefragung, nicht aus einer Unternehmensstudie. Trotzdem ist der Übertrag auf Handwerksbetriebe und kleinere Mittelständler klar: Genau dort laufen Zahlungen, Lieferantenwechsel und Bankdatenänderungen oft über Anruf, WhatsApp oder eine eilige Mail.
Was Bitkom gemessen hat#
Bitkom Research hat 1.126 Personen ab 16 Jahren befragt, davon 1.031 Internetnutzerinnen und Internetnutzer. Die Feldzeit lag in den Kalenderwochen 33 bis 37 2026. Die wichtigsten Ergebnisse:
- 9 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer wurden in den vergangenen zwölf Monaten mit Deepfakes getäuscht (Foto, Video oder Stimme). Im Vorjahr waren es 3 Prozent.
- 64 Prozent waren Opfer von Cyberkriminalität (Vorjahr 61 Prozent).
- Phishing bleibt mit 21 Prozent häufig.
- Ausgespähte Zugangsdaten lagen bei 14 Prozent.
- Der durchschnittliche Schaden betrug 233 Euro.
Wichtig ist der Rahmen: Das ist eine Verbraucherstudie. Sie sagt nicht, wie viele Betriebe betroffen sind. Sie zeigt aber, wie schnell KI-gefälschte Medien im Alltag wirken und wie wenig skeptisch viele Menschen im ersten Moment reagieren.
Warum Handwerk und KMU besonders angreifbar sind#
In vielen Handwerksbetrieben und kleinen Firmen ist der Freigabeprozess pragmatisch. Der Chef ruft an und bittet um eine Überweisung. Der Lieferant schickt per WhatsApp neue Bankdaten. Die Buchhaltung reagiert schnell, weil die Baustelle nicht stillstehen darf und der Materiallieferant wartet.
Genau dort setzen Deepfakes und Social Engineering an. Eine glaubwürdige Chef-Stimme am Telefon, eine kurze Sprachnachricht mit Dringlichkeit oder ein Video mit scheinbar bekannter Person reichen oft aus, um den ersten Impuls zu triggern: zahlen, jetzt, sonst stockt alles.
Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, bringt den Gegenimpuls auf den Punkt: Bei einem ungewöhnlichen Anruf oder einer dringenden Zahlungsaufforderung immer über einen zweiten Kanal nachfragen, bevor gehandelt wird. Das klingt simpel. In der Praxis fehlt vielen Betrieben genau diese Regel als fester Schritt im Ablauf.
Der Zweitkanal ist keine Technikspielerei#
Ein zweiter Kanal heißt: Der Anruf allein reicht nicht. Wenn jemand am Telefon eine eilige Zahlung verlangt oder neue Bankdaten nennt, wird das über einen anderen, bereits bekannten Weg bestätigt. Zum Beispiel:
- Rückruf auf die im Firmenverzeichnis hinterlegte Nummer
- kurze Rückfrage per bekannter Firmenmail oder interner Chat
- Freigabe durch eine zweite Person im Betrieb
- bei geänderter Bankverbindung: Bestätigung beim Lieferanten über die alte bekannte Nummer, nicht über die Nummer aus der neuen Mail
Das braucht keine teure Software. Es braucht eine klare Regel und die Disziplin, sie auch dann einzuhalten, wenn der Anrufer unter Zeitdruck setzt.
Praxis-Checkliste für Handwerksbetriebe#
- Regel schriftlich festhalten. Jede Zahlung über einem definierten Betrag und jede Änderung von Bankdaten braucht einen zweiten Kanal. Ohne Bestätigung keine Freigabe.
- Bekannte Kontakte hinterlegen. Für Chef, Buchhaltung und wichtige Lieferanten die vertrauenswürdigen Nummern und Adressen an einem Ort sammeln, den jeder Freigebende kennt.
- Dringlichkeit als Warnsignal behandeln. "Sofort überweisen, sonst stoppt die Lieferung" ist oft genau der Hebel, den Angreifer nutzen.
- Bankdatenänderungen extra absichern. Neue IBAN aus Mail, WhatsApp oder Anruf nie allein übernehmen. Immer über den alten bekannten Kanal gegenprüfen.
- Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen. Eine Person bereitet vor, eine zweite gibt frei. Besonders bei ungewöhnlichen Beträgen oder neuen Empfängern.
- Sprachnachrichten und Videos nicht als Beweis akzeptieren. Eine Chef-Stimme oder ein kurzes Video ersetzt keine Freigabe über den zweiten Kanal.
- Team kurz schulen. Fünfzehn Minuten in der Montagebesprechung reichen oft: Was ist ein Deepfake, welche Regel gilt bei Zahlungen, wen rufe ich an.
- Vorfall dokumentieren. Wenn etwas verdächtig war, kurz notieren: Wer hat angerufen, was wurde verlangt, was wurde geprüft. Das hilft beim nächsten Mal.
Was Automatisierung hier leisten kann#
Sobald Rechnungen digital eingehen und Zahlungen digital freigegeben werden, lässt sich der Zweitkanal fest einbauen. Der Ablauf sieht dann ungefähr so aus:
- Rechnung kommt rein und wird erfasst.
- Bei bekannter Bankverbindung und normalen Beträgen läuft der übliche Freigabeweg.
- Sobald sich die Bankverbindung ändert, ein neuer Empfänger auftaucht oder ein Betrag eine Schwelle überschreitet, stoppt der Prozess.
- Das System verlangt eine Bestätigung über den zweiten Kanal oder durch eine zweite Person.
- Erst danach geht die Zahlung weiter.
So wird aus einer gut gemeinten Faustregel ein harter Prozessschritt. Niemand muss sich in der Hektik des Tages erinnern, "noch kurz zurückzurufen". Der Workflow erzwingt den Schritt.
Genau das ist der Kern unseres Automatisierungs-Sprints ab 12.000 Euro: Rechnungseingang bis Zahlung so aufsetzen, dass geänderte Bankverbindungen und eilige Ausnahmen mit Zweitkanal-Prüfung laufen. Nicht als Großprojekt mit Monaten Vorlauf, sondern als fokussierter Umbau eines kritischen Prozesses.
Unser Fazit#
Die Bitkom-Zahlen zeigen für Verbraucher, dass Deepfake-Täuschungen stark zunehmen. Für Handwerksbetriebe und KMU heißt das vor allem: Vertrauen Sie nicht allein auf Stimme, Video oder Dringlichkeit. Bauen Sie einen zweiten Kanal in den Zahlungsablauf ein, besonders bei geänderten Bankdaten. Wer das manuell regelt, ist schon besser geschützt. Wer den Schritt in den Freigabeprozess einbaut, macht ihn belastbar.
Wenn Sie Ihren Rechnungseingang und Ihre Zahlungsfreigabe so aufsetzen wollen, dass der Zweitkanal nicht an der Hektik scheitert, sprechen Sie uns gern an. Im Automatisierungs-Sprint ab 12.000 Euro setzen wir genau diesen Ablauf für Ihren Betrieb um.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Sicherheitsberatung. Die genannten Bitkom-Werte stammen aus einer Verbraucherbefragung und sind kein direkter Maßstab für Unternehmensrisiken.
Quellen#
- Bitkom: Cyberkriminelle täuschen häufiger mit Deepfakes (Presseinformation vom 26. Oktober 2026, Bitkom Research, 1.126 Personen ab 16 Jahren, Feldzeit KW33 bis KW37 2026)
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