Bitkom: 56 % beziehen KI aus dem Ausland. Ist Ihr KI-Workflow bereit für einen Anbieterwechsel?

AWA Consulting

October 27, 2026

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Bitkom: 56 % beziehen KI aus dem Ausland. Ist Ihr KI-Workflow bereit für einen Anbieterwechsel?#

Der Digitalverband Bitkom hat am 19. Oktober 2026 eine repräsentative Befragung von 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten veröffentlicht, durchgeführt anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung. Die Kernfrage: Wie lange könnten deutsche Unternehmen ohne Digitalimporte durchhalten? Die Antwort lautet im Durchschnitt 16 Monate. 2025 waren es noch 14 Monate.

Für den Mittelstand steckt die wichtigste Zahl aber etwas tiefer in der Studie. 56 Prozent der Unternehmen beziehen Künstliche Intelligenz aus dem Ausland. Und 40 Prozent der Unternehmen mit Digitalimporten bereiten sich darauf vor, wichtige Anbieter und Systeme bei Bedarf auswechseln zu können. In diesem Beitrag ordnen wir ein, was das für einen Onlineshop oder eine Kanzlei bedeutet und wie ein KI-Workflow aussieht, bei dem das Modell austauschbar bleibt.

Was die Bitkom-Befragung zeigt#

Praktisch kein Unternehmen kommt ohne Technik aus dem Ausland aus. 96 Prozent beziehen digitale Technologien oder Services von dort. Laut Bitkom betrifft das unter anderem:

  • digitale Endgeräte wie Smartphones und Notebooks: 94 Prozent
  • Cloud-Dienste: 73 Prozent
  • Software: 68 Prozent
  • Künstliche Intelligenz: 56 Prozent

Gleichzeitig ist die Sorge deutlich gewachsen. Der Anteil der Unternehmen, die sich wegen Deutschlands digitaler Abhängigkeit von den USA Sorgen machen, ist innerhalb von zwei Jahren von 38 auf 73 Prozent gestiegen. 88 Prozent der Unternehmen mit Digitalimporten beziehen Technologien und Leistungen aus den USA.

Ein Ausfall würde fast immer das Kerngeschäft treffen. 93 Prozent der Unternehmen mit Digitalimporten erwarten Auswirkungen auf Produktion oder Leistungserbringung, 91 Prozent auf Vertrieb und Verkauf, 78 Prozent auf den Kundenservice.

Wie Unternehmen reagieren#

Die Studie zeigt auch, was Unternehmen bereits tun. Unter den Unternehmen, die digitale Technologien und Leistungen aus dem Ausland beziehen:

  • setzen 44 Prozent verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa
  • bereiten sich 40 Prozent darauf vor, wichtige Anbieter und Systeme bei Bedarf auswechseln zu können
  • bauen 32 Prozent eigenes technisches Know-how auf
  • beziehen 31 Prozent wichtige Produkte oder Services von mehreren Lieferanten
  • setzen 13 Prozent verstärkt auf offene Standards

Nur 3 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sagt dazu, es gehe nicht um Abschottung oder Autarkie, sondern darum, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren. Unternehmen sollten auch die Frage beantworten, wie gut sie im Ernstfall auf alternative Anbieter ausweichen können.

Auffällig ist die Lücke zwischen den letzten beiden Zahlen: Viele wollen wechseln können, aber nur wenige setzen auf offene Standards. Genau dort entscheidet sich, ob ein Wechsel in Tagen oder in Monaten gelingt.

Warum das bei KI besonders schnell zum Problem wird#

Bei klassischer Software ist ein Anbieterwechsel ein bekanntes Projekt. Bei KI ist die Abhängigkeit oft versteckt. Ein Workflow, der Kundenanfragen beantwortet oder Belege vorsortiert, ist häufig direkt gegen die Schnittstelle eines einzigen Modellanbieters gebaut. Die Prompts sind auf dieses Modell abgestimmt, die Daten liegen in dessen Umgebung, und niemand hat dokumentiert, was der Workflow genau leisten muss.

Solange alles läuft, fällt das nicht auf. Teuer wird es, wenn sich Preise ändern, ein Modell abgekündigt wird, Nutzungsbedingungen sich verschieben oder ein Mandant fragt, wo seine Daten verarbeitet werden. Dann muss der Workflow im schlimmsten Fall neu gebaut werden.

Zwei Beispiele aus der Praxis#

Onlineshop: Ein Shop lässt Produkttexte und Antworten an Kunden von einem KI-Modell vorschreiben. Ist der Prozess fest an ein Modell verdrahtet, steht im Ernstfall der Kundenservice. Ist das Modell hinter einer eigenen Schicht gekapselt, wird es ausgetauscht, getestet und der Shop arbeitet weiter.

Kanzlei: Eine Steuerkanzlei nutzt KI, um eingehende Belege und Mandantenmails vorzusortieren. Hier kommt neben der Verfügbarkeit die Frage nach dem Ort der Verarbeitung hinzu. Wer das Modell austauschen kann, kann bei Bedarf auch auf einen europäischen Anbieter oder ein selbst betriebenes Modell wechseln, ohne den ganzen Prozess neu aufzusetzen.

So bleibt das Modell austauschbar#

Ein herstellerneutraler KI-Workflow ist kein Großprojekt. Er folgt ein paar einfachen Bauregeln:

  1. Eine eigene Schicht zwischen Prozess und Modell. Der Workflow spricht nicht direkt mit einem Anbieter, sondern mit einer Schnittstelle, hinter der sich das Modell per Konfiguration wechseln lässt.
  2. Eigene Daten bleiben eigene Daten. Vorlagen, Wissensbasis und Ergebnisse liegen in Ihrer Umgebung, nicht nur beim Modellanbieter.
  3. Prompts und Regeln versioniert und dokumentiert. Was der Workflow leisten soll, ist festgehalten und nicht nur im Kopf einer Person.
  4. Testfälle für den Wechsel. Eine kleine Sammlung echter Beispielfälle zeigt in Stunden, ob ein anderes Modell die Aufgabe gleich gut löst.
  5. Ein Exit-Plan auf einer Seite. Welches Ersatzmodell kommt in Frage, wer entscheidet, wie lange dauert die Umstellung.

Beim Bau kostet das kaum mehr Aufwand. Im Ernstfall spart es Monate.

Praxis-Checkliste für Ihren Betrieb#

  • Liste aller KI-Anwendungen im Betrieb, inklusive der Tools, die Mitarbeitende selbst nutzen
  • Für jede Anwendung notiert: welcher Anbieter, welches Modell, wo werden die Daten verarbeitet
  • Markiert, welche Anwendungen das Kerngeschäft betreffen, etwa Kundenservice, Vertrieb oder Mandantenarbeit
  • Für diese Anwendungen geprüft: Lässt sich das Modell ohne Umbau austauschen?
  • Prompts, Vorlagen und Regeln an einem Ort gespeichert und versioniert
  • Mindestens ein alternatives Modell benannt und mit echten Beispielfällen getestet
  • Verträge auf Kündigungsfristen, Datenexport und Ort der Verarbeitung geprüft
  • Einmal im Jahr den Wechsel als Übung durchgespielt

Einordnung#

Die Bitkom-Zahlen sind kein Grund, auf KI aus dem Ausland zu verzichten. Viele der besten Modelle kommen von dort, und das wird auf absehbare Zeit so bleiben. Der richtige Schluss ist ein anderer: Wer KI in Kernprozesse einbaut, sollte sie so einbauen, dass ein Wechsel möglich bleibt. Digitale Souveränität beginnt für einen mittelständischen Betrieb nicht beim Rechenzentrum, sondern in der Architektur der eigenen Workflows.

Wie wir dabei helfen#

In einem Automatisierungs-Sprint ab 12.000 Euro bauen wir mit Ihnen einen konkreten KI-Workflow, bei dem das Modell austauschbar bleibt: mit eigener Schnittstelle, Ihren Daten in Ihrer Umgebung, dokumentierten Regeln und Testfällen für den Wechsel. Wenn Sie zuerst wissen möchten, welche KI-Abhängigkeiten heute schon in Ihrem Betrieb stecken, kartieren wir diese in einem KI-Readiness-Audit für 3.500 Euro. Einen Überblick über unsere Leistungen finden Sie unter awa-consulting.de/products.

Passend dazu: KI-Eigenbau im Mittelstand: Jedes dritte KMU bekommt eine unerwartet hohe KI-Rechnung

Quellen#

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